Freitag, 1. September 2017

Wie schmecken Tränen?








Schon eine Woche vor Beginn des Witch-Camps begab ich mich zur Nordsee.

Einfach mal die Stille genießen und bei sich selbst ankommen.

Viel Bewegung und richtig Schwitzen beim Fahrradfahren und wandern.

Ahnenplätze besuchen und ehren.

Dem Meer beim „kommen“ und „gehen“ zusehen, um gemeinsam „ein“ und „aus“ zu atmen.

Barfuß durch die Salzwiesen, die Sonnenstrahlen genießen, im Regenschauer laut Lachen und die Regenbögen über dem Meer bestaunen.

Die Füße im Salzwasser baden und vom Wind alle Last wegpusten lassen.

Einfach mit den Elementen tanzen und SEIN im hier und jetzt!






Die Gezeiten an der Nordsee sind schon ziemlich beeindruckend und Sie treiben mir immer ein verschmitztes Schmunzeln ins Gesicht wenn da noch Leute behaupten:  „der Mond hat kein Einfluss auf uns!!!“......Ha ha ha!
Zu wie viel Prozent bestehen wir nochmal aus Wasser?

Das Leben kommt aus dem Wasser … ohne Wasser kein Leben …  von der Quelle bis zum Meer … Der Fluss des Lebens … Reinigung … Heilung … tiefe Gefühle … Intuition … Mond … Erfrischung … Sauerstoff … Urds Brunnen … der Holleteich … Tor zur Anderswelt …  u.u.u. …



WASSER und MEER




Diesmal trafen wir uns für ein besonderes Ritual zu Ehren der Göttin Yemaya.

Für uns so besonders da es diesmal keine Göttin aus unserem Kulturkreis (Mitteleuropa)war.

Yemaya ist die Göttin der Meere/des Salzwassers und der Mutterschaft in der Religion der Yoruba, der kubanischen Santeria und im brasilianischen Candomblé.

Mit Hilfe der sehr kompetenten Santera und Spiritista Antonia Tabatha bekamen wir einen kleinen Einblick in die Religion der Santeria und durften gemeinsam das Ritual für Yemaya erleben.

Danke dafür, liebe Antonia!




Wir kleideten uns in den Farben des Wassers.

Bedeckten unsere Köpfe mit Tüchern und trugen die vielen Geschenke für Yemaya zusammen.

Gemeinsam, sehr achtsam und liebevoll  wurde das Ritual vorbereitet.

Nun die Reinigung von Kopf bis Fuß.

Dann wendeten wir uns den Ahnen zu und die Art und Weise wie die Santera dies tun hat mich nachhaltig beeindruckt.

Bestimmte Opfergaben … Gesang … Rufe … Namen … und Rhythmus …

Trauer fühlte ich in unserem Kreis, Gefühle aus den tiefen Wassern unserer Seelen brachen heraus.

Da war es schon, das WASSER. Ganz kurz aber Heftig.





Das Orakel Obi wurde geworfen.

Zauberhafte Zwiesprache  mit den Ahnen, so liebevoll und von höchstem Respekt.



Nur noch eine Kleinigkeit und der Segen der Ahnen ist bei uns.



Doch um für Yemaya ein Ritual feiern zu können reicht das nicht.

Nur über den Orisha Eleguá können die Türen zu Yemaya geöffnet werden.

So richteten wir für Eleguá einen Altar an einer alten Tür ein.

Popkornreinigungszeremonie … Opfergaben …  Singen … Rufen …Rasseln …

Kindliche-und spielerische Energien. Toll!




Nun wieder das Orakel.

Zauberhafte Zwiesprache mit den Orishas!

Eleguá forderte schon etwas mehr ein, von der einen oder andern…

Botschaften von den Ahnen …  da war es wieder das WASSER!

Auch der Ort für den Verbleib der Opfergaben wurde bestimmt.

Ein Kind liebt das Spiel … mit der Rassel … mit dem Wasser!



Nun standen uns die Türen offen.





Wie die Wogen des Meeres tanzten wir zum Altar der Orisha Yemaya!

Jede trug auf dem Kopf oder der Schulter Geschenke für die “Mutter der Fische“.

Der Altar wurde gefüllt und der Tanz für Yemaya begann.

Unsere Röcke wurden zu Wellen und Schaumkronen … Wasser … Salzwasser … Meeresrauschen …

seichtes Wiegen … wilde Wellen … Strudel … kraft und stolz der Frauen … Mütterlichkeit … Rudern … fließen … Wellen … Wasser … Wellen … Wasser …




Nun stehen wir im Kreis, ganz still.

Wir entzünden blaue Kerzen, gefüllt mit Wünschen von Herzen.



Da sind sie wieder die tiefen WASSER.

Gefühle so geheimnisvoll und überwältigend wie das Meer.

Eine Träne kullert in meinen Mund und benetzt meine Lippen.

Ich schmunzle über den salzigen Kuss der Yemaya.





Wieder die zauberhafte Zwiesprache Obi, diesmal mit Yemaya.

 J Jaaa, sie ist zufrieden!

Nun verlassen wir den Platz und lassen Yemaya Zeit mit ihren Geschenken.



Nach einer Pause löschen wir den entstandenen brennenden blauen Kerzenteich mit Sand und gestallten ein hübsches Bündel für Yemaya.

Dieses schleppten wir nun zum Meer und unter schaukeln und singen liefen wir ins salzige Nass und übergaben die Opfer an Yemaya.

… Kai, kai, kai Yemaya Olodo,

    Kai, kai, kai Assessu Olodo …



Das Meer nahm das Bündel zu sich und wir verweilten mit unseren nassen Rockzipfeln noch etwas im Wasser, bis uns eine Strandkrabbe hinauskomplimentierte J !



Ein kleiner Spaziergang mit tollen Gesprächen rundete den Tag ab.

Das gemeinsame Feuer am Abend  viel ins Wasser (wie sollte es auch anders sein!)daher trommelten wir noch kurz miteinander im Zelt und sangen alte Lieder.

Am nächsten Morgen brachten wir die Ritualreste, wie von Eleguá gewünscht, ins Wasser des Siels und verabschiedeten uns.




Ich danke von Herzen allen die dabei waren, ob … Gast … Ahn … Geist … Orisha … Spinne … Krabbe … Wasser oder Tränen!

Ach ja!

Nicht vergessen:

Tränen schmecken nach dem Kuss der Meeresgöttin!



LG  Rabenwurm